von Susanna Komenda-Zehnder

In Naturschutzkreisen ist die Problematik der Neophyten ängst bekannt. Auch im Milan wurde das Thema aufgegriffen, indem die bedeutendsten Arten vorgestellt wurden. Informationsmaterial ist im Internet zudem in Fülle vorhanden. Und so ist eigentlich klar, was gegen invasive gebietsfremde Pflanzen zu tun wäre. Nur wie dei Bekämpfung in der Praxis umgesetzt wird, davon wird wenig geschrieben. Unser Erfahrungsbericht soll Mut machen, etwas gegen invasive, gebietsfremde Pflanzenarten zu unternehmen.

Problempflanzen bekommen ein Gesicht
Der Natur- und Vogelschutzverein Obersiggenthal ist seit Jahrzehnten in der Natur- und Heimatschutzkommission der Gemeinde vertreten. Im Verlaufe der Zeit ist eine konstruktive Zusammenarbeit entstanden, die nun auch bei den Neophyten zum Tragen gekommen ist. Als das Thema vor zwei Jahren erstmals in der Kommission traktandiert wurde, musste die Problematik zunächst von Grund auf dargelegt werden. Goldruten, Sommerflieder, Robinie und Japanknöterich wurden kurzerhand auf den Sitzungstisch gelegt. Die lebhaften Schilderungen über das Ausbreitungspotenzial dieser Pflanzen, welche im Naturschutzkurs des Naturama vermittelt und hier weitergegeben wurden, führten dazu, dass die Konsequenzen für die Natur für Laien nachvollziehbar wurden. Aus dem Botanikunterricht entwickelte sich eine angeregte Diskussion.

Was man bekämpfen wil, muss man kennen
Im Februar 2006 luden wir Martin Bolliger als Redner an die Generalversammlung unseres Vereines ein. Rund 100 Personen besuchten diesen Vortrag über Neophyten, darunter auch viele Nichtmitglieder, Baudienstmitarbeiter und Bauern. Die speziellen Merkmale der Biologie der Neophyten - enorme Samenproduktion, langjährige Keimfähigkeit der Samen, Verbreitungspotenzial kleiner Wurzelstücke - beeindruckten sehr. Dies zeigte Wirkung, indem in manchem Privatgarten die Pflanzenauswahl verändert oder die Blütenstände rechtzeitig vor dem Versamen entfernt wurden.

Flächendeckende Kartierung
Als nächstes wurde ein Inventar über das Neophytenvorkommen in der Gemeinde angegangen. Der Aufruf zur freiwilligen Mitarbeit für die Kartierungsarbeit wurde gehört. Im August und September 2006 wurde das Gemeindegebiet flächendeckend durch Vereinsmitglieder abgesucht. Dafür wurde das Gebiet in Stücke unterteilt, so dass die Belastung für jeden Mitarbeitenden vertretbar war. Im Oktober übertrugen wir die Beobachtungen in je eine Karte für jede Pflanzenart. Aus der Übersicht wurden Massnahmen abgeleitet, die zu Handen der Natur- und Heimatschutzkommission, bzw. des Gemeinderates in einem Bericht zusammengefasst wurden. Für 2007 wurden konkrete Bekämpfungsmassnahmen vorgeschlagen und von den Gemeindebehörden gutgeheissen.
Neophyteninventar 2006

Neophytenbekämpfung verlangt einen langen Atem
Wie zu erwarten war, sind Goldruten und Sommerflieder in Obersiggenthal die verbreitetsten Neophyten. Dies nicht nur in den Privatgärten, sondern auch im Wald und an offenen Standorten. Es ist undenkbar, diese Pflanzenarten ganz aus der Natur zu entfernen. Aber sie sollen zumindest in Gebieten dezimiert werden, wo sie spezielle Lebensgemeinschaften bedrohen. Dies ist bei uns primär entlang der Limmat. Für den Ausbau des Kraftwerkes Kappelerhof wurde die Staustufe auf 6 m erhöht, wodurch vor knapp zwei Jahren der Kappisee entstanden ist. Die begleitenden ökologischen Ausgleichsmassnahmen beinhalten unter anderem naturnah gestalteten Uferbereiche und Inseln. Während den Bauarbeiten wurden die Ruderalflächen in kurzer Zeit von Goldrute und Sommerflieder besiedelt. Vermutlich war zudem Aufschüttungsgut – mindestens teilweise – mit Samen des Sommerflieders verseucht. Die Verantwortlichen wurden über die Problematik informiert und es wurden entsprechend Jätaktionen eingeleitet. Das Drüsige Springkraut wurde an einem kleinen Waldweiher entdeckt, dessen Wasser direkt in den Kappisee mündet. Hier muss über mehrere Jahre konsequent vor der Samenreife gejätet werden, damit sich das Drüsige Springkraut nicht am See ansiedelt.

Nicht immer geht es ohne en Einsatz von Herbiziden
Besonders schwierig wird wohl die Bekämpfung des Japanknöterichs. Dieser wurde in einigen Privatgärten gefunden und an mehreren Stellen auf öffentlichem Grund. Privatbesitzter werden über das Verbreitungspotenzial informiert. Besonders wichtig erscheint uns dies, wo Bauarbeiten absehbar sind. Auf einer Parzelle hat sich der Japanknöterich derart ausgebreitet, dass weitgehend eine Monokultur entstanden ist. Nach einer Beratung vor Ort durch einen Experten der Fachstelle Liebegg wurden über den Sommer die Stängel mit Herbizid gezielt injiziert. Erst nach einigen Wochen zeigte sich die Wirkung. Nachdem die Behandlung wiederholt wurde, ist der Bestand inzwischen substanziell geschwächt. Die Pflanze reagierte mit dem Austrieb dünner Stängel, die nicht durch Injektion behandelt werden können. Hier muss in den Folgejahren weiter angesetzt werden. Lösungen müssen auch für jene Bestände gesucht werden, die sich zu nah am Gewässer befinden.

Auch die Robinien sind Problempflanzen
Sehr unbürokratisch hat uns der Förster bei Bekämpfungsmassnahmen unterstützt. Die Forstmitarbeiter behalten im Wald die Bestände der Goldrute im Auge. Erdbewegungen, die bei der Arbeit mit schweren Fahrzeugen beim Holzen erfolgen, sollen bei Goldrutenbeständen vermieden werden. Unmittelbar bei einer Magerwiese hat sich die Robinie ausgebreitet. Die grossen Bäume werden nun durch Forstmitarbeiter durch sukzessives Ringeln geschwächt und später gefällt. Die Robinie bindet in den Wurzeln mit Hilfe von Bakterien Luftstickstoff. Bereits ist aus der Distanz sichtbar, dass dadurch schnellwüchsige Pflanzenarten, sprich Gräser, dominanter wurden und die Pflanzenvielfalt in der Umgebung der Robinien abgenommen hat.

Mit vereinten Kräften zum Ziel
Die Bekämpfung von Neophyten scheint manchem nach wie vor ein unnötiges Unterfangen, manchem erscheint es schlicht als aussichtslos. Aber mit den eingeleiteten Massnahmen setzen wir auch ein Zeichen. Wir interessieren uns für die Entwicklung der Natur in der Gemeinde und nehmen Einfluss. Dabei wollen wir unsere Kräfte nicht verzetteln und setzen deshalb gezielt Prioritäten. Gerade bei den Neophyten ist es mit relativ wenigen Fachkenntnissen möglich, einen effektiven Beitrag zu leisten, und sei es nur im eigenen Garten. Zur Unterstützung wurde auf der Homepage der Gemeinde ein Merkblatt mit Informationen über die drei in unserer Gemeinde wichtigsten Neophyten aufgeschaltet (http://www.obersiggenthal.ch/downloads/Merkblatt-NeophytenObersiggenthal.pdf). Das Merkblatt liegt auch beim Bauamt auf und es wurde in der lokalen Presse darüber informiert. Wenn es um Neophyten geht, ist es unumgänglich mit der Gemeinde, dem Forst und Privaten zusammenzuarbeiten. Dies ergibt ein Netzwerk, das auch bei weiteren Anliegen wieder zum Tragen kommen kann. In diesem Sinne wünschen wir uns, dass weitere Sektionen die Neophyten in Angriff nehmen!

Japanknöterich auf einer Privatparzelle mitten im Sieldungsgebiet Obersiggenthal. Am 13. April 2007 wurden die dickeren Stängel erstmals mit Herbizid injiziert. Dennoch wuchs der Knöterich bis zur zweiten Behandlung am 8. Mai 2007 beträchtlich. Vor der dritten Injektion am 5. Juni 2007 waren die behandelten Stängel deutlich geschwächt. Am 16. Juni 2006 wurden die noch vitalen dicken Stängel nachbehandelt, der Hauptbestand war aber abgestorben.