Zwei Männchen mit Eiern auf dem Rücken

Natur in Obersiggenthal

Geburtshelferkröten

Die Überlebensprobleme der Amphibien sind bekannt. Umso erfreulicher ist es, dass die Geburtshelferkröten in Obersiggenthal einen eigentlichen Aufschwung erleben.

In der stark genutzten Landschaft haben Amphibien einen schweren Stand. Sie verlieren vielerorts ihre Lebensräume, werden deshalb seltener oder verschwinden ganz. Jetzt gibt es aber eine positive Nachricht zu vermelden. In Obersiggenthal konnte sich die Geburtshelferkröte halten und hat sich an einigen Orten sogar neu angesiedelt. Kleine Populationen sind in Rieden und auf dem Tromsberg bekannt. Sie überleben dort dank den Bemühungen von Privatpersonen, die in ihren Gärten kleine Weiher mit genügend Unterschlupfmöglichkeiten rundherum anbieten. Sehr überraschend ist vor allem die Neubesiedlung von drei Kleingewässern, die erst vor wenigen Jahren speziell für Amphibien aufgewertet wurden. Geburtshelferkröten wurden dieses Jahr oberhalb Kirchdorfs (Schürmatt) nachgewiesen, beim Egelsee (oberhalb des Gartenbades) und beim Hagwiesweiher (zwischen Tromsberg und Bödler). Unsicher ist noch, ob die Besiedlung des Schlundweihers (oberhalb Homberg) tatsächlich erfolgreich ist. Überraschend ist die Ausbreitung deshalb, weil in der Fachliteratur zu lesen ist, dass Geburtshelferkröten keine weiten Wanderungen unternehmen.

Geburtshelferkröten werden nicht über Sichtungen nachgewiesen, sondern durch die Rufe der Männchen. In der Dämmerung beginnen sie mit reinen, kurzen Tönen Weibchen anzulocken. Jedes Tier hat seine eigene Klanghöhe, so dass das feine Konzert wie Glocken erklingt. Daher rührt der Name Glögglifrosch , unter welchem die Geburtshelferkröte in der Deutschschweiz fast besser bekannt ist. Der offizielle deutsche Name kommt vom der Brutpflege, welche das Männchen betreibt. Es wickelt bei der Paarung die Laichschnur um seine Hinterbeine und trägt die Eier anschliessend mit sich herum. Erst kurz vor dem Schlüpfen der Kaulquappen geht das Männchen zu einem Gewässer, entlässt seine Nachkommen und leistet dadurch so zu sagen Geburtshilfe.

Der Aufschwung der Geburtshelferkröten in Obersiggenthal sind dem Gesamt-Konzept von Esther Krummenacher zu verdanken. Mit ihrem Fachwissen ist es gelungen, Projekte der Natur- und Heimatschutzkommission, des Natur- und Vogelschutzvereines und verschiedener Bauern mit Unterstützung des Forstes umzusetzen. So konnten im Rahmen eines Konjunkturförderungsprojektes der Hagwiesweiher und der Egelsee ökologisch aufgewertet werden. Danach wurden Kleingewässer im Reckenberg angelegt, die den zuvor schon feuchten Standorten gerecht werden. Dafür mussten allerdings Bäume gefällt werden. Jetzt zeigt sich, dass sich diese unpopulären Massnahme gelohnt hat: Damit Geburtshelferkröten vorkommen, muss der Lebensraum besonnt und gut strukturiert sein. Es entstanden vielfältigere Ökosysteme, so dass wir mit Recht behaupten können, einen Beitrag an die Biodiversität geleistet zu haben.

Bild und Text: Susanna Komenda-Zehnder