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von Susanna Komenda-Zehnder

Zur Blütezeit sind Magerwiesen, Bunt- und Rotationbrachen eine wahre Augenfreude. Auch Obstbäume und Hecken bereichern die Landschaft nachhaltig. Dies verdanken wir vielerorts den Bauern, die auf Vielfalt setzen. Sie erhalten von Bund und Kanton, teilweise auch von Gemeinden, finanzielle Beiträge, indem die extensive Bewirtschaftung vetraglich geregelt wird. Dass die Landschaftstruktur dadurh bereichert wird, ist augenfällig. Wie aber ist der Einfluss auf die Artenvielfalt? Die Jagd auf Tagfalter soll Aufschluss darüber geben!


Ideal: Vernetze naturnahe Lebensräume

Im Idealfall werden Flächen für die extensivierte Bewirtschaftung so ausgewählt, dass naturnahe Lebensräume vernetzt werden. Damit dies nicht nur Wunsch bleibt, ist die Übersicht über ein Gebiet notwendig. Ein so genanntes Landschaftsentwicklunsgkonzept (LEK) kann dabei den roten Faden bilden. In Obersiggenthal wurde ein solches LEK seit 1999 durch Behördemitglieder, Bauern und Kommissionsmitglieder (Landwirtschaft, Natur- und Heimatschutz) erarbeitet. Es dient seither immer wieder als Diskussionsgrundlage, wenn es um den Abschluss von Bewirtschaftungsverträgen und Aufwertungsmassnahmen geht.

13% der Landwirtschaftsfläche werden extensiv bewirtschaftet
Die Umsetzungkontrolle eines LEKs kann kartographisch relativ einfach dargestellt werden. In Obersiggenthal wurde so festgestellt, dass über 13% der Landwirtschaftsfläche zwischen Siedlungsgebiet und Wald extensiv bewirtschaftet oder naturnah gepflegt werden. Dies ist zweifellos als Erfolg zu werten. Wir nehmen an, dass sich dies auch positiv auf die Artenvielfalt auswirken wird. Warum also nicht versuchen, dies zu messen?!

Tagfalter als Indikatoren für Lebensraumqualität
Eine derartige Erfolgskontrolle ist nur mittel- bis langfristig möglich. Die Grundlage dafür muss aber rechtzeitig erarbeitet werden. Es ist abzusehen, dass im Obersiggenthaler LEK Gebiet keine wesentlichen Veränderungen mehr zu erwarten sind. Deshalb wurde 2004 mit einer Datenaufnahme für spätere Vergleiche begonnen. Einerseits wurden die Brutvögel kartiert. Dass das gleiche Gebiet auch für das Avimonitoring des Kantons ausgewählt wurde, kam uns dabei entgegen. Andererseits wurde nach einer weiteren Artengruppe gesucht, die auf kleinräumigere Veränderungen reagiert. Schlussendlich wurden die Tagfalter ausgewählt, weil sie gute Hinweise auf die Lebensraumqualität geben können. Zudem können sie nach einer guten Einführung auch von Laien (z.B. Mitgliedern des Natur- und Vogelschutzvereines!) weitgehend bestimmt werden.

Aus Laien werden Fachleute
Für dieses Projekt wurden wir tatkräftig vom kantonalen Baudepartement, Sektion Natur und Landschaft unterstützt. Wir konnten die Methode zur Erfassung von Tagfaltern aus dem LANAG-Programm übernehmen (Langfristbeobachtung der Artenvielfalt in den Nutzflächen des Kantons Aargau). Vor Ort wurden wir von einer Mitarbeiterin in die Arbeitsweise mit Kescher und Bestimmungsunterlagen eingeführt. Auf vier ausgewählten Routen haben wir inzwischen während drei Jahren je elf Mal nach Schmetterlingen Ausschau gehalten. Wenn möglich wurden die Falter mit dem Kescher für das Bestimmen eingefangen. Nur äusserst selten musste ein Tier der Expertin zu genauen Identifikation geschickt werden.

Die Entwicklung der Artenvielfalt wird im Auge behalten
Die beteiligten freiwilligen Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter haben sich Kenntnisse über Schmetterlinge erworben, die sie in der Familie und im Verein weiter geben. Das LEK ist zudem wieder neu ein Gesprächsthema geworden. In der verantwortlichen Kommission der Gemeinde (Natur- und Heimatschutzkommission) wird regelmässig über die Resultate berichtet, auch der Gemeinderat wird informiert. So ist die Erfassung von Tagfaltern und Brutvögeln bereits jetzt ein Erfolg geworden. Wie sich die Artenvielfalt entwickelt, kann aber erst in rund 10 Jahren beurteilt werden. Dann werden die Erhebungen wieder über drei Jahre hinweg durchgeführt. Und wenn es den Milan dann noch gibt, erfolgt ein weiterer Bericht.

Die Tagfalter wurden auf vier Strecken erfasst,die je 250 m lang waren.Beobachtungen wurden 5 m
links und 5 m rechts der Route berücksichtigt. Das Wetter musste optimal sein, d.h.Sonnenschein,
wenig Wind und mindestens 13º C. Auch Jahres- und Tageszeit waren genau vorgegeben Insgesamt
haben wir 1563 Falter notiert, die 27 Arten zugewiesen werden konnten.Die 10 häufigsten Arten
sind in der nachstehenden Tabelle aufgeführt.

Die Beobachtungen wurden dem Schweizer Zentrum für die Kartographie der Fauna gemeldet und
sind auf der Homepage abrufbar.

Link : http://www.cscf.ch

Tagfaltererfassung
Artname, deutsch Artname, lateinisch
Grosses Ochesauge Maniola jurtina
Kleiner Kohweissling Pieris rapae
Kleiner Heugrassfalter    Coenonympha pamphilus 
Schachbrettfalter Melanargia galathea
Heuhechelbläuling Polyommatus icarus
Distelfalter Cynthia cardui
Kleiner Fuchs Aglais urticae
Rapsweissling Pieris napi
Grosser Kohlweissling Pieris brassicae
Aurorafalter Antoocharis cardamines