Der Wald ist Lebensraum für eine Vielzahl von Tieren und Pflanzen. Eine stattliche Anzahl von Waldbewohnern ist dabei auf Baumhöhlen angewiesen. Natürliche oder vom Specht geschaffene Höhlen dienen als Brutplatz, als Futterversteck, als Schlafhöhle und als Schutz im kalten Winter. Der unordentliche Wald mit dicken alten Bäumen und viel Totholz bietet Nahrungsgrundlage und Lebensraum für so unterschiedliche Arten wie den Schwarzspecht, die Dohlen, den Baummarder, die Hornissen und viele andere Tier- und Pflanzenarten.

Weil vielerorts die Bäume vor dem Erreichen ihrer Altersjahre gefällt werden, sind natürliche Baumhöhlen, die etwa durch das Abfallen eines Astes und Ausfaulen der Asthöhle entstehen, selten geworden. Das Wohnungsangebot für die Höhlenbrüter im Wald ist also knapp da nimmt der Specht als Zimmermann des Waldes eine Schlüsselrolle ein. Er versorgt mit seiner Bautätigkeit die Waldtiere mit neuen Wohnungen. Vom Schwarzspecht gezimmerte Baumhöhlen sind bei den Waldbewohnern begehrt, aber er baut nur eine begrenzte Anzahl Höhlen in seinem Revier und braucht für seine eigenen Bedürfnisse auch mehrere Höhlen.

Angesichts des grossen Höhlenbedarfs ist der Verlust von Höhlenbäumen schwerwiegend. Leider werden diese immer wieder unabsichtlich gefällt. Oft kann man erst bei genauerem Hinschauen einen Höhleneingang am Baum erkennen, und welcher Förster hat bei dem heutigen Druck dafür noch Zeit?
 Hier können wir helfen. In Gruppen oder als Einzelpersonen wird der Wald nach Höhlenbäumen abgesucht, die Bäume werden markiert und helfen damit, das unabsichtliche Fällen dieser wertvollen Habitate zu verhindern.

Das Jahr 2011 ist das «Internationale Jahr des Waldes» und in diesem Zusammenhang startet der Schweizer Vogelschutz SVS/BirdLife Schweiz dazu diverse Projekte. Eines davon ist die Aktion «Höhlenbäume suchen und sichern», das in Absprache mit dem Verband Schweizer Forstpersonal VSF Anfang Oktober 2011 gestartet wurde.

Der Natur- und Vogelschutzverein Obersiggenthal wird sich an diesem Projekt auch beteiligen und kartiert in Absprache mit unserem Förster Willy Schnyder die Höhlenbäume im Wald vom Obersiggenthal. Die Gesamte Waldfläche in unserer Gemeinde beträgt 365 Hektaren und wenn wir auch nicht jede Aare davon bearbeiten, ist es doch eine spezielle Herausforderung. Es ist nicht realistisch ein solches Projekt in einem Winter zu bewältigen, deshalb wird das ganze Projekt drei Jahre dauern, vom November 2011 bis Ende März 2014.

Am Freitag 4. November 2011 und 20:00 wurde das Projekt im Restaurant Hirschen in Kirchdorf vorgestellt und freiwillige Helferinnen und Helfer  die mitarbeiten wollen konnten sich anschliessend anmelden.
Im ersten Teil von dem Anlass erzählte Dietmar Marty etwas über die Tiere in den Höhlenbäumen und im zweiten Teil informierte Susanna Komenda über die Möglichkeiten wie man im Projekt mitwirken kann.

zum Vergrössern Bild anklicken Gebietsaufteilung vom Obersiggenthaler Wald


Für die Kartierung wurde der Wald in verschiedene Gebiete unterteilt. Für jedes Gebiet ist eine/ein Gebietsverantwortliche/Gebietsverantwortlicher bestimmt. Diese Leute können nun mit eigenen Teams in den nächsten drei Jahren die Waldgebiete nach Höhlenbäumen absuchen.

Die Höhlenbäume werden markiert und der genaue Standort wird auf einer Karte eingezeichnet. Diese Daten werden dann auf eine Übersichtskarte für weitere Auswertungen übernommen.

Wenn Sie auch mitmachen wollen, melden Sie sich per Email unter info@nvobersiggenthal.ch . Auf der Karte sehen Sie welche Gebiete bearbeitet werden, Sie können also angeben wo Sie am liebsten mitarbeiten wollen. Die Gebietsverantwortlichen werden dann mit Ihnen Kontakt aufnehmen und Sie informieren.

Wichtig:
Markierte Bäume haben keinen speziellen Schutzstatus. Es ist für den Förster eine Hilfe, damit er Höhlenbäume schneller erkennen kann. Sie werden wenn es möglich ist nicht gefällt. Wenn es aber die Umstände erfordern, dass ein solcher Baum gefällt werden muss, ist das jederzeit möglich und es wird von uns auch nicht in Frage gestellt. Wo, wann und was gefällt wird, bestimmen immer noch die Waldbesitzer, der Förster oder die Angestellten beim Forstamt.


nvo-projekt-hoehlenbaeume.pdf [2'330 KB]


Ab dem Sommer 2012 werden wir Ihnen in einem Zwischenbericht den aktuellen Projektstand präsentieren.