50 Jahre Natur- und Vogelschutzverein Obersiggenthal
 
 
Rückblick in die Vereinsgeschichte verfasst von Josef Humbel (Präsident NVO 1978 2004), anlässlich der Jubiläumsgeneralversammlung vom 23. März 1984, 20:00 Uhr, im Gasthaus Hirschen , Kirchdorf.
 
In unseren Vereins-Statuten ist vermerkt, der Vogelschutzverein Obersiggenthal sei 1931 gegründet worden. Als dann 1981 das 50-jährige Jubiläum fällig geworden wäre, habe ich etwas in der Vereinsgeschichte geforscht und merkte, dass das Gründungsjahr nicht stimmen konnte. 1981 feierte der Untersiggenthaler Vogelschutzverein sein goldenes Jubiläum. Bei diesem Anlass zeigte mir Herr Schibli Hans einige Briefe aus den Vereinsakten, die aufzeigten dass die Gründung in Obersiggenthal auf Anregung aus Untersiggenthal stattfand.
 
Brief vom 22. Mai 1933 an Herr Othmar Schmutziger, Sekretär Landwirtschaftsdirektion des Kantons Aargau in Aarau, von Herr J. Merz, Präsident des Ornithologischen Vereins Untersiggenthal.
(Auszug!) Wir haben uns inzwischen in unserer Nachbargemeinde Obersiggenthal für die Gründung einer neuen Vogelschutz-Sektion bemüht und wir hoffen, dass bald eine Entscheidung heranwächst.
Herr Schmutziger pflegte darauf einigen Kontakt mit den Untersiggenthalern und schrieb in einem Brief.
Brief vom 28. Januar 1934 an Herr J. Merz, Präsident Ornithologischer Verein Untersiggenthal.
(Auszug!)  Ich bin fast Tag und Nacht mit Vorträgen auf der Reise. Ich hoffe dennoch am 4. März noch so viel Kraft zu besitzen, dass diese auch noch für Abhaltung eines Vortrages in Obersiggenthal ausreicht.  Als Thema glaube ich Vogelschutz und Schädlingsbekämpfung für diese Gegend als günstig erachten zu dürfen.
Man einigte sich auf Sonntag, den 4. März 1934 und schrieb in einem weiteren Brief:
 
Brief vom 23. Februar 1934 an die Herren Sekundarlehrer Zehnder und Lehrer Keller, Nussbaumen.
(Auszug) Die Vogelschutzabteilung des Ornith. Vereins Untersiggenthal, welcher auch in  Obersiggenthal  vereinzelte Mitglieder aufweisst, veranstaltet am kommenden Sonntag, 4.  März  nachmittags 2 Uhr in der Turnhalle in Nussbaumen einen öffentlichen Lichtbildervortrag über den Vogelschutz mit Referat von Hr. O. Schmutziger, Sekretär an der Landwirtschaftsdirektion in Aarau. Da diese Angelegenheit auch für die Schuljugend von besonderem  Interesse ist und dabei keine Eintrittsgebühr verlangt wird, so haben wir bereits die Schulpflege damit begrüsst, dass auch die Schuljugend, ca. 3. bis 8. Klasse an der  Veranstaltung teilnehmen darf.
Im Anschluss an diesen Vortrag wurde unser Verein gegründet, also am 4. März 1934. Leider fehlt von der Gründungsversammlung ein Protokoll. Zum ersten Präsidenten wurde Herr Louis Blunschi, Nussbaumen, zum Aktuar Herr Lehrer Ernst Schneider und zum Kassier Herr Lehrer Josef Keller gewählt. Alle drei waren sehr geachtete und bekannte Persönlichkeiten in unserer Gemeinde.
 
Schon bald fand eine erste Mitgliederversammlung statt, die nicht ohne Überraschung war. Übrigens hatte man schon 28 Mitglieder. Ein Protokoll liegt vor. 
 
 Mitgliederversammlung am 21. April 1934, abends 8¼ Uhr in der Aula des Schulhauses Nussbaumen (heute Bachmatt).
(Auszug aus dem Protokoll): Nach einigen einleitenden Begrüssungsworten durch den Präsidenten Herr Louis Blunschi, verliest derselbe das Gesuch von Herr Lehrer Schneider, von seinem Amt als Aktuar entbunden zu werden. Herr Schneider findet, dass zwei Lehrer im Vorstand des Guten zu viel sei, es sollte das bäuerliche Element besser vertreten sein. Von der Versammlung wird sodann gewählt Paul Kuhn auf Hertenstein.
 
Der unerwartete Rücktritt von Lehrer Schneider überraschte, sein Argument war jedoch ver-ständlich. Neu gewählt wurde aber mitnichten ein Bauer, sondern wie man heute sagen würde ein  ausgeflippter BBC-Ingenieur. Paul Kuhn, an den ich mich erinnern kann, war eine ausserordentliche Person. Wohlhabend und intelligent, wohnte er in bescheidenen, ja kümmerlichen Verhältnissen auf dem Hertenstein, im äussersten Haus links an der Strasse gegen Freienwil. Er hatte keine Familie, zog sich lange vor dem ordentlichen Pensionierungsalter aus dem Berufsleben zurück und tat nur noch was er mochte. Er war immer mit einer schwarzen Pelerine bekleidet und machte ausgedehnte Fussmärsche.
 
Paul Kuhn führte getreulich und sauber die Vereinsprotokolle, schrieb Exkursionsberichte und kommentierte Vorträge von 1934 bis 1946. Sein hundertseitiges, blaues Schulheft ist uns erhalten geblieben und ist eine wahre Fundgrube interessanter Vorkommnisse.
1951 wurde Paul Kuhn auf der Häfelerstrasse von einem Auto überfahren und tödlich verletzt. In einem Legat vermachte er dem Vogelschutzverein eine beträchtliche Summe (Fr. 1600.-), sowie ein Buch Handatlas Naturgeschichte .
 
Der Vogelschutzverein Obersiggenthal wurde nun recht aktiv. Es wurde eine Wanderung durch-geführt, Nistkästen wurden an Mitglieder verkauft, wobei man über die unterschiedliche Modelle von Huggenberger oder Berlepsch verfügte . Ein Nistkasten für Meisen oder Stare kostete übrigens Fr. 1.50. Im Badener Tagblatt erschien folgender Artikel.
 

Badener Tagblatt vom 10. Januar 1935, Verfasser L. Blunschi

Mit dem Aufruf Schützet die nützlichen Vögel hat der hiesige Vogelschutzverein seine Wintertätigkeit begonnen. Wenn der Winter auch erst bescheiden eingerückt ist, so sind trotzdem nebst verschiedenen kleinen Futterstellen drei grössere Futter-Automaten in Aktion getreten. Wir möchten die Bevölkerung speziell auf die Letzteren aufmerksam machen. Je ein Automat ist plaziert bei den Schulhäusern Kirchdorf und Nussbaumen und der Dritte bei Herrn Lehrer Keller in Rieden. Die grossen Automaten sind in der Hauptsache so konstruiert, dass die Sperlinge dieselben nicht besetzten können. Wir empfehlen Ihnen auch unsere Futter-Verkaufstelle bei Herrn Eugen Meier, Bäckerei beim Schulhaus Nussbaumen, wo jeden Montagnachmittag der Futterbedarf zu 30 Cts das Kg. eingedeckt werden kann. Gefässe oder Säcke mitbringen.

Wir stellen fest, es wurde von nützlichen Vögeln gesprochen. Heute nennen wir diese Periode die Zeit des wirtschaftlichen Vogelschutzes . Man förderte Vögel, von denen man glaubte, sie seien uns Menschen, besonders der Landwirtschaft, dienlich. Raubvögel und Schädlinge wurden hemmungslos verfolgt.
Man hatte die natürlichen Ausgleichskräfte in der Natur noch nicht genügend erkannt. Dies zeigt ebenfalls ein Auszug dem Protokoll der ersten Generalversammlung.

 1. Generalversammlung am Dienstag, 30. April 1935
Abends um 8½ Uhr im Rest. Neuhaus, Nussbaumen. Auszug aus dem Bericht im Badener Tagblatt vom 4. Mai 1935, Verfasser Lehrer J. Keller.

Der Verein zählt heute 57 Mitglieder. Im ersten Jahr wurden 50 Nistkästen aufgehängt. 7 Futterauto­maten wurden angeschafft. An Private wurde 160 kg zweckmässiges Futter verkauft. Der Vereins­zweck besteht darin, in den breitesten Volkskreisen das Verständnis für die Vogelwelt lebendig zu erhalten, sie zum Schutz und Pflege dieser niedlichen Tiere zu erziehen, unseren beschwingten Sängern, Puppen- und Insektenpolizisten die Existenz zu erleichtern. Die Versammlung beschloss, eine Morgenexkursion, unter Leitung eines dipl. Führers für Vogelkunde zu organisieren.

Badener Tagblatt und Aargauer Volksblatt, Mai 1936

Vogelschutzverein Obersiggenthal. Der Vorstand dieses Vereines ladet seine Mitglieder und deren Angehörige, vorab die Jungmannschaft, sowie ein weiteres sangesfreudiges Publikum, zu einer Konzertreise ein, auf nächsten Sonntag den 17. Mai. Die Reise ist völlig kostenlos und das Konzert wird gratis gegeben. Wer wollte da nicht mitmachen! Aber es heisst: früh­zeitig aus den Federn, denn schon beim ersten Morgengrauen, morgens um 4 Uhr, wollen wir uns beim Schulhaus Nussbaumen besammeln. Während einer Wanderung auf den Hertenstein und Geissberg, werden wir den Genuss des Konzertes haben, mit dem unsere gefiederten Freunde den Tag des Herrn begrüssen. Ein kundiger Führer, Herr Denner jun. aus Wettingen wird uns dabei den Chor analysieren. Unsere Sänger sind scheue Gesellen und es braucht oft gute Augen, um sie im Laubwerk der Bäume zu ent­decken. Die Mitnahme eines guten Feldstechers ist daher zu empfehlen.


Könnte man heute auf so köstliche Art und Weise die Leute aus den Betten holen? Übrigens nahmen etwa 30 Personen an der Exkursion teil, obwohl es ein kühler Maimorgen war.

Im Jahre 1937 gab Lehrer Keller seinen Schülern Anleitung zur Herstellung von Nistkästen. Über 20 Stück wurden gebaut. Der Verein selbst hatte schon 91 Kästen aufgehängt. Es wurden 3 Mitglieder zur Kontrolle der Kästen bestimmt. Der Vorstand war mit ihnen aber nicht zufrieden. Der Chronist schreibt: Zur GV sind sie, unzweifelhaft wegen schlechtem Gewissen, nicht erschienen.

An der GV demissionierte unerwartet Lehrer Keller als Kassier. Neu gewählt wird Herr J. Lober, Nussbaumen.
Herr Hans Meier, Waldvogt, erwähnt, dass er heuer besonders viele Sperber im Walde bemerkt habe, die den Singvögeln zu Leibe gehen und beantragt, die Jagdgesellschaft solle in dem Sinne beauftragt werden, dass deren Mitglieder sich des Abschusses dieser Raubvögel zur Pflicht machen sollten.

Interessant ist auch ein Bericht über die
Frühjahrsexkursion vom Sonntag, 9. Mai 1937 nachmittags 2 Uhr beim Gemeindeförster Hitz auf Tromsberg.

(Auszug aus dem Bericht von P.Kuhn)
30 Personen nahmen teil an einem schönen Maientag. Förster Hitz erklärte die Methoden des Waldbaus und meinte unter anderem: Es sei viel vorteilhafter, die Kinder in der Schule mit all dem bekannt zu machen was Wald und Wild betrifft, als sie mit unverdaulichen Ballast zu füllen, der später doch weggeworfen wird.
Da hat Herr Förster Hitz vollkommen recht.

 

Eine Änderung an der Spitze des Vereins erfolgte 1938:

Generalversammlung 1938, Mittwoch, 4. Mai, abends 8 Uhr im Rest Neuhaus

Anwesend 13 von 51 Mitgliedern
(Auszug aus dem Protokoll). Zur allgemeinen Überraschung erklärt Herr Blunschi, das Vereins­­schiffchen nicht länger mehr steuern zu wollen. Als neuer Präsident wird Herr Josef Stumpf nominiert. Es wird vorgeschlagen, die Nistkastenkontrolle durch das Gemeindewerk durchzuführen, wobei die Entschädigung der Kontrolleure durch die Waldkasse zu geschehen hätte.
Nach dem geschäftlichen Teil, hielt Herr Lehrer Keller ein Referat über unsere Singvögel, anhand einer farbigen, prächtigen Wandtafel. Der Vortragende betonte, dass die Vögel eigentlich Weltbürger seinen, der Begriff Vaterland ist bei ihnen nicht bekannt. Sie leben nach dem lateinischen Spruch: Ubi bene, ubu patria , d.h. wo es uns wohl ergeht, da ist unser Vaterland.

Eine schlimme Zeit brach nun an, zuerst in Europa, dann in der ganzen Welt, der 2. Weltkrieg. So verwunderte es nicht, wenn andere Probleme als der Vogelschutz wichtiger wurden. Paul Kuhn's Feder hatte 3 Jahre lang nichts zu vermerken. Doch wie ein Wunder lesen wir plötzlich:

Zwischenbericht von P. Kuhn

Am 10.Januar 1941 trafen sich bei Herrn Louis Blunschi, dem ehemaligen Präsidenten, Herr Ludwig Schneider, Kirchdorf und der Unterzeichnete zu einer Besprechung. Es handelte sich um die Wiedererweckung der Vereinstätigkeit, die seit der GV im Mai 1938 vollständig ruhte. Es gelang Herr Blunschi, Herr Ludwig Schneider für unsere Sache zu interessieren. Als ehemaliger Jagdaufseher ist er mit dem Leben in Wald und Feld gut bekannt und ein scharfer Beobachter.

Dank dem unermüdlichen, früheren Präsidenten Blunschi wurde der Verein wieder aktiv. Und der neue Präsident Ludwig Schneider war der rechte Mann am rechten Platz. Er vermochte es, den Leuten die Wunder der Natur zu zeigen.
Am 8. Mai 1941 fand im Neuhaus wieder eine GV statt, mit 11 Teilnehmern. Die grösste Sorge bereitete die Beschaffung von Vogelfutter für den kommenden Winter, da solches im Handel nicht mehr erhältlich war. Ludwig Schneider hatte aber noch 5 kg Sonnenblumenkernen. Diese wurden mit Hilfe der Lehrerschaft an Schüler der oberen Klassen verteilt zum Anpflanzen in den Gärten. Die Idee war, im Herbst den Ertrag gegen Entschädigung für die Zwecke des Vereins zu kaufen.
An einer Vorstandssitzung im Dezember wurde jedoch vermerkt: Die Sonnenblumenkerne wurden von den Kindern selber verfüttert, für den Verein blieb nichts übrig .

In den Schulen wurde ein Wettbewerb im Herstellen von Nistkasten durchgeführt, die dann sogar von kantonalen Experten begutachtet wurden. Die max. Punktzahl von 36 wurde von keinem Teilnehmer erreicht. Wohl aus pädagogischen Gründen , schrieb Paul Kuhn.

Präsident Schneider erwähnte, dass er im Gebiet der Hölle regelmässig den Eisvogel beobachte.

Generalversammlung 1946, 19. Januar im Neuhaus

(Auszug) 25 Anwesende. Der schwungvoll gehaltene Jahresbericht des Präsidenten Herrn Ludwig Schneider, der sich manchmal zu fast poetischer Höhe erhob, klang aus in das Lob der Beobachtung all dessen, was da kreucht und fleucht in Wald und Feld. Den Übergang zum gemütlichen Teil leitete ein frisch und fröhlich vom Präsidenten angestimmtes Lied zum Lob der schönen Maienzeit ein.

 

Damit enden die Aufzeichnungen im blauen Schulheft. Bis 1952 haben wir Präsenzlisten aller Generalversammlungen. Sie wurden von 12 bis 31 Mitgliedern besucht.
Von 1946 1977 habe ich leider keine schriftlichen Jahresberichte gefunden. Es sind hingegen einzelne Schriftstücke und auch wieder Protokolle der Generalversammlungen von 1960 1975 vorhanden. Zudem habe ich aus dieser Zeit auch eigene Erlebnisse und konnte auf die mündliche Überlieferung abstellen.

1953 fand Louis Schneider, es sei Zeit, einer jüngeren Kraft Platz zu machen. Da war der 25-jährige Keller Dölf, seit einem Jahr im Vogelschutzverein und ein allgemein bekannter Tiernarr. Er übernahm an der GV vom 24. April 1954 im Rest. Hirschen das Präsidium.

Einen Vorstand gab es praktisch nicht mehr, obwohl der Mitgliederbestand ca. 120 betrug. Präsident Keller war für einige Jahre Vorstand in einer Person. Zusammen mit seiner Frau sammelte er die Jahresbeiträge ein und organisierte immer wieder Exkursionen und einige interessante Vorträge. So referierte Herr Ziniker über das Schlangen fangen in Jugoslawien , das besondere Hobby von Keller Dölf, der ja mit den Jahren zum anerkannten Reptilienexperten wurde. Einmal hielt auch Herr Weitnauer, der bekannte Lehrer und Erforscher des Mauerseglers, bei uns einen viel beachteten Vortrag und zweimal Herr Götschi.

Mit der Zeit fand Keller Dölf wieder einige treue Mitarbeiter. Erwähnen möchte ich Grütter Walter, der viele Jahre die Kasse besorgte und jeweils die Beiträge von Haus zu Haus einsammelte. Er ist schon lange gestorben. Dann Scherrer Karl aus Rieden, lange im Vorstand und immer bereit zu helfen. Birchmeier Ewald, eine Zeit lang Aktuar und geschätzter Chauffeur des Vereins, er war der Einzige mit einem Auto, Meier Ruedi und Frunz Oswald, Obernussbaumen. Besonders erwähnen muss ich aber Willi Arnitz. Von 1956 1975 war er Aktuar. Willi war eine Frohnatur. Seine Sprüche und seine unvergesslichen Spässe waren einfach einmalig. Von Ihm besitzen wir mehrere Briefe und Protokolle. 1975 musste er uns, viel zu früh, für immer verlassen.

Unter dem 16 Jahren dauernden Präsidium von Keller Dölf, stieg die Mitgliederzahl des Vogelschutzvereins stetig an. Die Auffahrtsexkursion wurde zur Tradition. Manche sind mir noch in guter Erinnerung, z.B. mit dem Exkursionsleiter Kleiner Heinrich, Turgi oder Schibli Hans Untersiggenthal.

An der Generalversammlung 1970, am Sonntag, 22. Februar im Jägerhaus, erklärte Keller Dölf seinen Rücktritt. Nun wollte der gesamte Vorstand zurücktreten, um jungen Kollegen, die Hand zu neuen Taten frei zu lassen . Schlussendlich erklärte sich Willi Arnitz bereit weiterhin als Aktuar tätig zu sein und Keller Dölf und Meier Willi blieben Beisitzer.
Neuer Präsident wurde Füglister Werner, Oberdorf, Vize-Präsident Hurter Ruedi, Kassier Meier Urs und Statistiker Hitz Josef jun., Tromsberg.

Füglister Werni und sein Team gingen mit grossem Einsatz ans Werk. Erstmals kam der Gedanke auf, in Obersiggenthal ein Naturreservat zu errichten. Man beschloss, dem Gemeinderat ein Gesuch einzureichen. Ebenfalls sollte eine Naturschutzkommission gegründet werden, ähnlich wie in Untersiggenthal.

An der GV vom 20. März 1971 im Neuhaus, wurde beschlossen, aus der Aarg. Ornithologischen Gesellschaft, Abteilung Vogelschutz, auszutreten und sich dem neu gegründeten Aarg. Natur- und Vogelschutzverband anzuschliessen. Dies war ein wichtiger Entscheid, dessen Folgen damals unabsehbar waren, sich aber wie wir heute feststellen dürfen, positiv auswirkten.

1971 führte der Natur- und Vogelschutzverein Obersiggenthal, wie er sich nun korrekterweise nannte, sogar eine Papiersammlung durch, um die Kasse aufzubessern. In diesem Jahr wurde der Jahresbeitrag von Fr. 2.- auf Fr. 5.- angehoben.

Schon Ende der sechziger Jahre hatte sich abgezeichnet, dass das sogenannte Jägerhüsli auf dem Homberg eventuell käuflich wäre. Keller Dölf war daran abzuklären, ob der Vogelschutzverein die Hütte übernehmen könnte. Schliesslich kaufte jedoch die Ortsbürgergemeide am 2. Februar 1972 das Jägerhüsli, da es auf ortsbürgerischem Gebiet stand. ein Verwendungszweck war nicht in Sicht. Man sprach sogar vom Abreissen der Hütte. Der damalige Gemeinderat Hitz Stefan, trat dann für eine Renovation der Hütte ein und schlug vor, sie dem Natur- und Vogelschutzverein und der Natur- und Heimatschutzkommission gratis zur Verfügung zu stellen. Es wurde ein Hüttenreglement erlassen. Mit freiwilligen Helfern und einem unglaublichen Einsatz bekam die Hütte und die nähere Umgebung ein völlig neues Gesicht.
Der ockerfarbige Anstrich, den Willi Arnitz der Hütte verpasste, war damals das Tagesgespräch. Heute kann man sich eine andere Farbe kaum vorstellen.
Das Jägerhüsli erhielt nun den Namen Herzoghütte , richtig wäre eigentlich General Herzog­hütte , weil das Holztäfer in der Hütte aus dem Büro von General Herzog aus Aarau stammt. Doch das ist eine besondere Geschichte.

1975 fand Präsident Füglister Werner in Hurter Ruedi einen Nachfolger. Er war schon seit 1970 im Vorstand und hatte sich besonders durch das Aufhängen von künstlichen Mehlschwalbennestern einen Namen gemacht. In der Zeitung wurde er einmal Schwalbenvater genannt. Hurter Ruedi war ein Praktiker, mit oft sehr raschen Entschlüssen. Über die Folgen gewisser Aktionen war er sich allerdings nicht immer ganz klar. Sein Einsatz war bemerkenswert. Im Vorstand tauchten auch einige neue Gesichter auf. Hitz Hans, Lehrer, konnte gewonnen werden. Mit Ruth Erismann-Leemann wurde auch erstmals eine Frau gewählt. Hitz Hans, Brunnenmeister kam dazu und auch ich wurde aktiviert. Seit 1970 und bis heute ist Urs Meier dabei.

1975/76 ging nach langer Vorbereitungszeit ein Wunsch unseres Vereins in Erfüllung. Wir durften auf gemeindeeigenem Land und mit grosszügiger finanzieller Unterstützung der Behörden den Schlundweiher erstellen. Es wurden etwas über 500 Mannstunden freiwilliger Arbeitseinsatz erbracht. Doch es hat sich wahrlich gelohnt. Das Schlundweihergebiet hat die Landschaft bereichert und ist ein Refugium für bedrohte Pflanzen und Tiere geworden.

1976 wurden dann erstmals die längst fälligen Vereinsstatuten festgelegt und von der GV akzeptiert. Der Verein hatte nun etwa 260 Mitglieder und eine Gewisse Organisation war einfach notwendig und auch rechtlich erforderlich.

1978 habe ich von Ruedi Hurter die Vereinsleitung übernommen. Mein Ziel war und ist es noch immer, einen umfassenden Natur- und Vogelschutz in unserer Gemeinde zu betreiben. Die Zeit des wirtschaftlichen Vogelschutzes , wie ich ihn aus früheren Jahren erwähnt habe, ist endgültig vorbei. Heute geht es darum, die Wechselwirkungen zwischen den Lebewesen und ihrer belebten und unbelebten Umwelt zu beobachten und wenn nötig, sorgfältig und überlegt einzugreifen.

Auf Details über die Tätigkeiten der letzten Jahre möchte ich nicht eingehen. Ein zukünftiger Chronist wird sie in den ausführlichen Jahresberichten nachlesen können.

 

                                                                                                       Josef Humbel
                                                                                                       März 1984